Zeckenalarm

Zecken sind eigentlich harmlose Parasiten. Parasiten, weil sie Blut von einem anderen Lebewesen benötigen, um selbst existieren zu können.


Früher waren Zecken nur lästige Gesellen, seit über 10 Jahren können sie aber ernsthafte Erkrankungen übertragen:

 

Die FSME:

die Frühsommermeningoencephalitis, die zu Erkran-kungen des Nervensystems, bis hin zu Hirn- und Hirn-

hautentzündung führen kann.

 

Die Borreliose:

eine durch Spirochäten (spezielle Bakterienart) übertragene Infektion.

 

Da der Mensch ebenfalls von diesen kleinen Plage-geistern befallen wird, können Erkrankungen auch bei uns auftreten. Bedingt durch überzogene Darstel-lungen in den Medien herrscht zwischenzeitlich geradezu eine Zeckenhysterie.

Nachfolgend will ich zur Versachlichung der Diskus-

sion einige grundsätzliche Informationen weiter-geben:

  • Wir leben in Baden Württemberg in einem Risikogebiet (Endemiegebiet), in dem häufiger durch Zecken übertragene Erkrankungen auftreten.
  • Die beste Therapie ist die Vorbeugung, also in Wäldern und Wiesen entsprechende Kleidung anziehen.
  • Hat die Zecke „zugebissen“, so sollte sie möglichst rasch und richtig entfernt werden. Dafür benötigen Sie keine ärztliche Hilfe.

Vergessen Sie alle Techniken über das Entfernen von Zecken. Die Zecke entweder dicht an der Haut mit einer Pinzette herausziehen (kein Drehen) oder mit einem scharfen Messer direkt über die Haut fahren und die Zecke gewissermaßen köpfen.

Der Kopf kann verbleiben, denn das infektiöse Mate-

rial ist im Magen-Darm-Trakt der Zecke.

  • Völlig unsinnig ist es, die Zecke auf mögliche Krankheitserreger untersuchen zu lassen. Daran verdient nur das Labor. Denn nur zu einem geringen Prozentsatz wird beim Zeckenbiss auch die Krankheit übertragen. Diagnostik am Menschen ist sinnvoll, nicht aber an der Zecke.

Die Karte zeigt die Risikogebiete.

In rot sind so genannte FSME-Hochrisikogebiete angezeigt, zu denen auch der Kreis Calw sowie der Großteil des Schwarzwaldes zählt.


Achten Sie auf das betroffene Hautareal. Entsteht eine deutliche Rötung (über 4 cm), die sich weiter vergrößert, im Innern möglicherweise sogar wieder verblasst, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt jetzt das erste Stadium einer Borreliose vor. Durch adäquate antibiotische Behandlung kommt es zur Abheilung.

  • Wird jetzt nicht behandelt oder die Erkrankung übersehen, kann später das Stadium II mit überwiegendem Gelenkbefall, bzw. danach Stadium III der Borreliose mit Befall des Nervensystems auftreten.
  • Leider ist die Labordiagnostik bei der Borre-
    liose oft zweideutig und wenig hilfreich. Im Zweifel ist immer das Krankheitsbild für die Therapieentscheidung richtungsweisend.

Wichtig: Etwa 50 % der an „Zecken“ Erkrankten erinnern sich nicht an einen Zeckenbefall .

  • Die FSME ist eine äußerst gefährliche Nervenerkrankung. Es gibt keine spezifischen Behandlungsmöglichkeiten, nur die vorbeu-
    gende Impfung
    . Diese ist zwar deutlich verträglicher als zu Beginn der Impfungen vor über 10 Jahren, trotzdem empfehle ich vor der Impfung folgende Punkte zu beachten:
  • Sind Sie wirklich gefährdet, wurden Sie schon von Zecken befallen?
  • Die „Zeckenimpfung“, soweit möglich nicht mit anderen Impfungen kombinieren.
  • Kleinkinder sind meines Erachtens weniger gefährdet, entsprechend sollte der Termin für die Impfungen gewählt werden.
  • Besprechen Sie mit dem Hausarzt/ärztin, ob eine Impfung bei Ihnen sinnvoll ist.